Tourismus



Am 20. November findet im Japanischen Garten von Hasselt eine große Geburtstagsfeier statt.
(FOTO: SHUTTERSTOCK)

Hasselter Spezialitäten: Gartenkunst und Genever

Vor 25 Jahren wurde in der limburgischen Provinzhauptstadt der Japanische Garten eröffnet

Von Rotger Kindermann

Ob Hasselt tatsächlich den größten japanischen Garten in Europa hat, lässt sich nur schwer überprüfen. Vor Ort spielt der proklamierte Superlativ kaum eine Rolle. Entspannt kann jeder stundenlang eintauchen in eine faszinierende, exotische Gartenkultur. Man wird inspiriert von einer unglaublichen Farbenpracht, die besonders in der Herbstsonne kräftig leuchtet. Besucher, die das Gelände auf verschlungenen Pfaden durchwandern, erleben eine Freude für alle Sinne: Auf einer Bank sitzen und den fließenden Gewässern lauschen. Beobachten, wie dicke Koi-Karpfen dicht gedrängt gegen die Strömung schwimmen. Oder riechen, wie Teemeister Staf Daems während der Zeremonie Matcha-Tee für seine Gäste zubereitet.

1992 öffnete der Garten die Tore. Hiermit holte Hasselt ein Stück seiner japanischen Schwesterstadt Itami nach Limburg, und damals ahnte keiner, welch einmaliges Pflanzenreich sich entfalten würde. 25 Jahre später sind die Kirschbäume ausgewachsen, färbt das Moos die Steine, zeigt sich der Garten in einem Gewand  fernöstlicher Vielfalt. Am 20. November wird der Japanische Garten zur großen Geburtsfeier geöffnet. Und am Nachmittag lädt die Stadt zu einem Fest, bei dem japanische Kultur und Traditionen im Mittelpunkt stehen.

Ikebana, Sushi & Co

Von März bis Oktober bietet dieser Garten ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm an, er lädt keineswegs nur zur Meditation ein. So kann man die Kunst des Blumenarrangierens erlernen, die Ikebana-Kurse sind geradezu eine kreative Herausforderung. Auch die japanische Schrift lässt sich kunstvoll perfektionieren. In Kalligraphie-Kursen üben die Teilnehmer Grundtechniken, um mit Pinsel und Tinte ihren Namen in Japanisch zu schreiben. Nichts für empfindsame Ohren sind die Trommelkurse. Wenn ein vielfaches lautes „Tscha-Bumm“ durch den Garten hallt, weiß jeder in Hasselt, dass Schlagzeuger Bart Gits einer Gruppe demonstriert, wie Japaner mit der großen Taiko-Trommel den Takt geben. Die Zubereitung verschiedener Sushi-Sorten wird in Abend-Workshops gelehrt. Wer sich für Buddhismus und Meditation interessiert, findet eine passende Auswahl an geistiger Nahrung. Ein Priester und Lehrer der japanischen Shingon-Tradition bringt seine Schüler auf den richtigen Weg der Inspiration, ergänzend gibt es Meditationsübungen. Um mehr über Symbolik und Brauchtum im „Land der aufgehenden Sonne“ zu erfahren, dem sei ein geführter Gartenrundgang (Sonntag 15 Uhr, Dauer 1,5 Std., Erwachsene 8,50€) empfohlen. Oft finden die Angebote in der Innenstadt eine Fortsetzung.

Inspiration im Klostergarten

Der Japanische Garten ist nicht die einzige grüne Oase in und um Hasselt. Einen Besuch wert ist die Domäne Kiewit. Ein Naturreservat am Stadtrand mit einem sog. Kreislaufgarten und einer sehenswerten Bienenhalle. Jung und Alt treffen sich hier zum Krolf-Spiel, einer lustigen Kombination aus Croquet und Golf. Wohl tuende Ruhe strahlt der Park von Dina Deferme, einer bekannten Gartenarchitektin, aus. Vier Hektar Leidenschaft für die Pflanzenwelt, die sie gerne für Gruppen öffnet. Eine Quelle neuer Anregungen für jeden Hobbygärtner und eine herrlich bunte Augenweide.  

Wer Hasselt besucht, muss die Abtei Herkenrode gesehen haben, ein eindrucksvoller Bau – mitten im Naturschutzgebiet. Zu jedem Kloster gehört ein Garten und hier ist er ein besonderer Ort des Friedens, der irgendwie bezaubert und zugleich belehrt. Der Inspirationsgarten erklärt die Geschichte von Kräutern und ihre Anwendung durch Menschen und Kulturen. Die Anlage ist unterteilt in einen Lehrgarten und einen Nutzgarten. Rund 250 unterschiedliche Kräuterpflanzen gedeihen hier. Im Mittelalter war Herkenrode eine besonders reiche Frauenabtei. Heute sind die historischen Gebäude perfekt restauriert. Der Klosteralltag vergangener Jahrhunderte wird in einem Erlebniszentrum auf spannende Weise erzählt.

Hochprozentiges Markenzeichen

Vom Herkenroder Kräutergarten ist es nicht weit bis ins Zentrum der „Hauptstadt des guten Geschmacks“, wie sich Hasselt gerne nennt. Wer durch die Straßen bummelt, kann den regionalen Köstlichkeiten nicht aus dem Weg gehen: Leckere Haselnusspralinen, Zimt-Spekulatius, kräftig gewürzte Pasteten, die lokalen Biere und vor allem ein Glas Genever. Das hochprozentige Markenzeichen der Stadt – neben dem Haselnussstrauch im Wappen. Genever hat seinen Anfang im Mittelalter, als dem Kornbranntwein Wacholderbeeren hinzugefügt wurden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zählte Hasselt zirka 20 Genever-Brennereien, heute existieren gerade mal zwei kleine handwerkliche Betriebe. Dennoch gilt die limburgische Provinzhauptstadt als die „Geneverstadt“, denn hier steht das bekannte Genever-Museum, nicht nur für Belgier ein beliebter Besuchermagnet. Mag sein, dass einige hierher kommen, weil in der Probierstube ein kostenloses Gläschen spendiert wird. Doch im Museum kann man jede Menge lernen: Welche Kräuter und Gewürze es braucht, um einen guten Genever herzustellen. Wie man Genever ausschenkt und aufbewahrt, oder wozu Genever am besten schmeckt. Die Auswahl an Kräuter- oder Fruchtgenever ist heute riesig. Am Ende des Besuches ist jeder „geneverweise“, wie die Hasselter sagen. Dazu geben sie eine Empfehlung für den Stadtrundgang: Denkmäler und historischen Orte solle man nicht besichtigen, ohne vorher im Genever-Museum wenigstens ein Gläschen zu verkosten. So eingestimmt, erlebe jeder die alten Bauten aus einem schöneren Blickwinkel, beschwingter und berauschter.

www.visithasselt.be
www.jenevermuseum.be
www.domeinkiewit.be
www.abdijsiteherkenrode.be

Zum Wohl:
Der SchnapsmännchenBrunnen
mit dem „Borrelmanneke“ begrüßt die
Besucher in Hasselt.

(FOTO: R. KINDERMANN)